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Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation

PNF ist ein Konzept, dass mit Aktivität arbeiten und ist damit auch eins der wenigen aktiven prüfungsrelevanten Fächern in der Grundausbildung (so kommt es mir zumindest vor). Die Entwicklung des Konzeptes begann ca. 1946 in den USA und wurde seitdem stetig weiterentwickelt und überarbeitet.

In Deutschland ist PNF außerdem eine Weiterbildung mit Zertifikationsposition, dh. wer sich entscheidet diese Weiterbildung zu machen, bekommt dann von der Krankenkasse mehr Vergütung als zB. für eine einfache KG.

Der Name setzt sich zusammen aus Propriozeption (Tiefensensibilität), Neuromuskulär (Zusammenspiel der motorischen Einheit; also Gehirn bis muskuläre Ansteuerung) und Fazilitation (Taktiler Stimulus zB. Durch PT).

Evidenz: Je nachdem, was man mit PNF erreichen möchte, ist es (wie eigentlich alles in der Physiotherapie) umstritten; jedoch konnte ich einiges finden was belegt, dass es zB. bei Amputationspatienten und bei neurologischen Patienten gute Ergebnisse liefert. Was Steigerung der Beweglichkeit angeht konnte ich keine eindeutigen Infos finden. Im Vergleich zu vorrangig passiven Techniken (zB. Vergleich MT/ PNF bei Rückenschmerz-Patienten) schneidet PNF gut ab, aber ob es gegenüber "einfacheren" und "günstigeren" Alternativen besser abschneidet, kann ich nicht sagen. Wenn ihr da mehr wisst, kommentiert gern! Generell gilt sicherlich: Aktivität > Passivität, und je simpler & selbstständiger etwas durchführbar ist, desto nachhaltiger. Ergänzend und zum Schulen von Bewegungsrhythmus sicherlich ein gut geeignetes Konzept!

Prinzipien:

...des Konzepts an sich:

  • Approximation (Druckimpulse, v.a. bei Neuro-Patienten)

  • Vorbereitungs- und Aktionskommando (Vorbereitung heißt: umfangreich und erklärend, Aktion: kurz und auf den Punkt)

  • Initial Stretch (Dehnreiz am Anfang der Bewegung um Muskeleigenreflex auszulösen und eine bessere Aktivierung von möglichst vielen motorischen Einheiten)

  • Irradiation (Übertrag auf vermeintlich unbehandelte Gelenke)

  • Positiver Einstieg (man beginnt mit dem stärksten Körperteil/ der einfachsten Bewegung und in einer „niedrigen“ ASTE, wo die Zielbewegung noch leichter fällt)

  • Orientierung am motorischen Lernen (v.a. bei PNF Matte; sh. Motorische Ontogenese)

  • Arbeiten in funktionellen Mustern (den Bewegungspattern)

  • Erst Mobilität, dann Stabilität

  • Bei Schmerzen wird schmerzfern begonnen: zB. An den Füßen/ am Kopf, oder an der nicht betroffenen Seite (hier nutzt man auch das Prinzip Irradiation); man kann hier auch zeitlgleich Eis/ Wärme anwenden und das Eigengewicht der Extremität abnehmen, wenn nötig.

  • Man nutzt vor allem ASTEn, die schmerzfrei und angenehm sind (um das Auslösen des Fluchtreflexes zu verhindern)

... der Durchführung:

  • PT steht in der Diagonalen ausgerichtet, an der er arbeiten möchte.

  • Führungswiderstand: dh. die Fazilitation ist immer an der Seite in deren Richtung es danach gehen soll

  • Griff: Lumbricalgriff (großer, kleiner)

  • Taktiler Stimulus

  • Angepasster Widerstand (nur ein „Führungswiderstand“, dieser sollte die Bewegung nicht erschweren)


Weitere Begriffe:

„Summation der Reize“ = Exterozeptive Stimuli (Visuell, verbal: Kommando, taktil) + Propriozeption (Stretch, Traktion/ Approximation, angepasster Widerstand) + Bewegungs-diagonalen

Übersicht der Techniken:

  • Rhythmische Bewegungseinleitung: Ist dafür da, das man ein Gefühl für den Patienten bekommt und der Patient die Bewegung versteht und ein Gefühl für den Widerstand & das Pattern bekommt. Hier wird der Patient auch mal passiv eingestellt, gerade wenn es vom Verständnis dann besser funktioniert. Also zB. Erster Durchgang passiv, zweiter assistiv und dann aktiv an der Bewegung feilen und korrigieren.

  • Agonisten Technik: Der Patient arbeitet aktiv in die gewünschte Richtung und soll auf dem „Rückweg“ langsam nachgeben, die Zielmuskulatur arbeitet also die ganze Zeit kon- und exzentrisch im Wechsel. Auch wenn der Führungswiderstand angepasst sein soll (bei PNF sollte der Widerstand nie als anstrengend empfunden werden), ist dass für Patienten schnell anstrengend.

  • Antagonisten Technik oder auch „Dynamische Umkehr“: Auf dem „Hinweg“ arbeitet der Agonist, dann fasst der PT um und der Antagonist macht den „Rückweg“. Der Patient braucht nicht so schnell eine Pause, weil der Agonist nicht durchgängig arbeiten muss und die Bewegung läuft quasi die ganze Zeit in beide Richtungen des ausgewählten Patterns konzentrisch.

  • Rhythmische Stabilisation: Im Gegensatz zur Dynamischen Umkehr gibt es hier keinen Bewegungserfolg; es wird nur isometrisch/ statisch gearbeitet. Ziel ist eine gleichzeitige Anspannung von Agonist und Antagonist; Bsp: Scapula wird eingestellt und der Patient soll sie an Ort und Stelle halten, abwechselnd gibt der PT jetzt Widerstände an den Fazilitationspunkten in die Richtungen des Patterns, in das man trainieren möchte. Es gibt verschiedene Ausführungen, die möglich sind, mehr dazu dann in Fachliteratur und Kursen!

  • Hold Relax: Statisch! Der Antagonist spannt in die Gegenrichtung des Patterns, was verbessert werden soll. Auch hier wird die autogene Hemmung genutzt um den ROM (Range of motion, Bewegungsausmaß) zu vergrößern. Das Körperteil wird aktiv/passiv in die gewünschte Position/ bis zum Bewegungsende gebracht und dann wird der Antagonist isometrisch angespannt, dann folgt die willkürliche Entspannung, danach wird aktiv/passiv das Bewegungsausmaß vergrößert.

  • Contract Relax: Eine dynamische Technik mit kleinem Bewegungsausmaß. Das Ziel ist der optimale Einsatz antagonistischer Muskulatur während der Bewegung unter Nutzung von autogener Hemmung falls Antagonisten verkürzt/ verspannt sind. Die Extremität wird bis zum (schmerzfreien!) Bewegungsende gebracht (aktiv oder passiv), dann soll der (verspannte) Antagonist kontrahieren - mit geringem Bewegungserfolg, dann folgt die Entspannung („Relax“) und danach soll aktiv oder passiv das Bewegungsausmaß vergrößert werden.

  • Stabilisierende Umkehr: Wechselnde Widerstände während einer für den Patienten unsicheren ASTE. Patient arbeitet statisch, der Widerstand variiert in Intensität, Richtung und Griff. Bspw. bei PNF Matte um eine ASTE zu stabilisieren, bevor man in die nächst höhere wechselt.

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