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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Aktualisiert: 27. März 2020

pAVK ist ein chronisches Krankheitsbild was mit einer zunehmenden Stenose & schließlich dem Verschluss der arteriellen Gefäße in den Extremitäten, vor allem den Beinen einhergeht.

Auch “Schaufenster-Krankheit” weil sie mit einer verringerten Gehstrecke einhergeht und die Patienten dann aufgrund der Beschwerden alle paar Meter erneut stoppen müssen.

Pathogenese:

Bei ca. 90% der Fälle ist die pAVK nur eine Folge der Atherosklerose. Es kommt zu atherosklerosen (Lipide, Kalk, etc sh. Atherosklerose) Ablagerungen an den Gefäßwänden und somit zum Abnehmen des Gefäßlumens. Dadurch ist der Blutdruck höher, was wiederum die weitere Gefäßschädigung begünstigt. Bei kleinen Gefäßen kommt es schneller zum Verschluss, mit Fortschreiten der Erkrankung allerdings auch zur Verengung und zum Verschluss von großen Gefäßen (mehr bei Lokalisation). Durch die Mangelversorgung (mit O2 und Nährstoffen) im Versorgungsgebiet der jeweiligen Arterie, kommt es zu den Symptomen wie Schmerz, Schwäche oder minderdurchblutete Haut.

Ursachen bzw Risikofaktoren sind also dieselben wie bei Atherosklerose: Arterielle Hypertonie, Nikotinabusus, Hyperlipoproteinämie, Diabetes Mellitus, Adipositas, Stress In seltenen Fällen ist die Ursache entzündlich, zB beim Winiwarter-Buerger Syndrom.

Symptome:

Abhängig von: Stadium, Lokalität und Kollateralkreisläufen

  • Ischämischer Schmerz

  • Rasche Ermüdbarkeit der betroffenen Extremität

  • Kühle Extremitäten (distal des Verschlusses)

  • Zyanotisch, marmoriert, blass

  • Taubheitsgefühl und Parästhesien

  • Pulslosigkeit distal des Verschlusses

  • Muskuläre Atrophien

  • Haarausfall distal des Verschlusses ("Beinglatze) und Veränderungen der Nägel.

  • Exkurs: Bindegewebsmassage: Quellungen überm Sakrum; Einziehungen art. Beinzonen

  • Nekrosen und Gangrän, Ulcus cruris

Leitsymptom ist das vorübergehende Hinken Claudicatio intermittens* und die damit einhergehenden Pausen beim Gehen (zB vor Schaufenstern).

Die Schmerzen (und anderen Symptome zB. Schwächegefühl, blasse und kühle Haut) treten distal vom Verschluss im Versorgungsgebiet des versorgenden Gefäßes auf.

Außerdem kommt es zu tropischen Störungen wie Nekrosen, Gangrän oder Ulcus cruris arteriosum (“Offenes Bein”). Sh. auch die 6 P's nach Pratt

*Das vorübergehende Hinken von Patienten mit pAVK aufgrund der Schmerzen, die durch die Ischämie im Unterschenkel entstehen. Bessert sich oft von allein wieder nach einer kurzen Gehpause.

Stadien:

  • Stadium 1: Stadium der vollen Kompensation: keine Beschwerden

  • Stadium 2: Stadium der Ruhekompensation: Belastungsschmerz, anfangs (2a) mit Gehstrecke über 200m, gegen “Ende” von Stadium 2 (2b) Gehstrecke unter 200m

  • Stadium 3: Stadium der Ruhe-Dekompensation: ischämischer Ruheschmerz

  • Stadium 4: Stadium der vollen Ischämie: Trophische Störungen wie Nekrosen etc

Lokalisation:

Bei 90% der Erkrankten untere Extremität:

  • Beckentyp: Aorta Abdominalis und Arteria iliacae

  • Oberschenkeltyp: Stenosen der Arteria femoralis und Arteria poplitea

  • Unterschenkeltyp: distal der A. poplitea

  • Manchmal auch Akrale pAVK, wenn die Zehenarterien verschlossen sind.

An der oberen Extremität (10%):

  • Schultertyp: Stenosen im Bereich A. subclavia und A. axillaris.

  • Digitaler Typ: Stenosen im Bereich der Aa. digitales.

Außerdem: das Leriche-Syndrom: Verschluss der infrarenalen Arterien (geht dann auch mit Impotenz einher)



Befundtechniken:

  • Ratschow Umlagerungstest: bei Bewegung kommt es erst mit Verzögerung zur Durchblutung des Fußes/der Extremität

  • Umfangsmessung, falls es bereits Trophikstörungen gibt, auch Palpation & Inspektion

  • Intervalltest: zB. Zehenstand, Squats o.ä.: man zählt die Anzahl von Wiederholungen, die der Patient schafft bis der Schmerz auftritt

  • Pulspalpation

  • Schmerzanamnese (generelle Anamnese)

  • 6-Minuten-Geh-Test oder eher Ganganalyse (bzw schauen ob es zum Claudicatio intermittens kommt, Gangbild generell anschauen)

  • Inspektion & Palpation was den Hautzustand und die Hautdurchblutung angeht.

  • Arzt: Doppler-Sono, Angiografie, Auskultation

PT-Ziele:

Stadium 1:

  • Ausschalten der Risikofaktoren, die zu Atherosklerose führen: zB Rauchen, Blutfettwerte, Bluthochdruck. v.a. über Aufklärung

Stadium 2:

  • Durchblutung verbessern, dh. Verlängern der Gehstrecke und Verbessern des Gangbildes

  • Verbessern der Hautdurchblutung/ oberflächlichen Durchblutung - segmental!

  • Verbessern der O2 Nutzung, dh. also der lokalen Muskelausdauer

  • Verbessern der Gefäßregulation

  • Ausbildung von Kollateralkreisläufen

  • Detonisierung der Hypertonien Muskulatur (über weiche, eher oberflächliche Techniken)

  • Vermeidung von Kontrakturen

  • Verbessern der Muskeltrophik/ Vermeiden von Atrophien

  • Verbessern der Gelenkbeweglichkeit & der Koordination

  • Vermeiden von Verletzungen (weil die Heilung deutlich verlangsamt wäre)

Stadium 3:

  • Bestmöglicher Erhalt der Körperfunktionen & der damit einhergehenden Selbstständigkeit

  • Erhalt der Hautdurchblutung (segmental! Nicht lokal)

  • Erhalt der Muskelkraft & Vermeiden von größeren Atrophien

  • Erhalt von Gelenkbeweglichkeit & Koordination (v.a. Gangbild)

  • Vermeidung von Verletzungen und Osteoporose

Stadium 4:

  • Beseitigung aller Faktoren, die die Durchblutung zusätzlich verringern:

  • Senkung des Sympathikus Tonus’

  • Vermeiden von Druckstellen und Dekubitus (Pat. Haben oft Sensibilitätsstörungen)

  • Beseitigen von muskulären Verspannungen

In Stadium 3 und 4 kann es sein, dass die betroffene Extremität gar nicht mehr belastbar ist, dann ist aktives Beüben (Arzt entscheidet!) kontraindiziert. Dann: Ruhigstellen, tief lagern, warm halten zB mit Watteverbänden, Abdecken der Nekrosen mit trockenen, luftdurchlässigen Kompressen & v.a. die Prophylaxen von Immobilitätsschäden wie Pneumonie. Außerdem sollten alle nicht betroffenen Extremitäten beübt werden: Overflow.

CAVE:

  • keine passiven Durchblutungsfördernden Maßnahmen distal des Verschlusses!

Es könnte zur paradoxen Gefäßreaktion kommen (sh. Hydrotherapie), und es entsteht ein höherer O2 Bedarf dem nicht nachgegeben werden kann. Es kommt zur anaeroben Belastung und Laktat entsteht (saurer pH), Abtransport ist nicht möglich und es entstehen Gewebeschäden.

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