Motivational Interviewing (Motivierende Gesprächsführung)

In der Physiotherapie können wir die schönsten und coolsten Techniken oder Übungen kennen, doch wenn der Patient nicht versucht die Tipps oder die Übungen die du ihm gibst langfristig in seinen Tag zu integrieren, bringt es leider nur wenig.

Doch wie bekomme ich meine Patienten dazu generell sein Verhalten zu ändern? Hierbei spielt die Motivation eine große Rolle! Des Weiteren ist es wichtig zu erkennen in welcher Phase der Verhaltensänderung der Patient sich zurzeit befindet im Sinne von inwieweit ist der Patient bereit sich zu ändern und können wir die Motivation des Patienten beeinflussen und wenn ja wie?


Hierbei spielt die Motivierende Gesprächsführung eine wichtige Rolle welches ein Konzept aus der Verhaltenstherapie ist und von Stephen Rollnick, William R. Miller und Christopher C. Butler zum ersten mal beschrieben wurde.


Motivationsphasen


Doch bevor wir uns mehr mit MI beschäftigen lasst uns erstmal die Phasen der Verhaltensänderung anschauen:

  • Pre Contemplationsphase:

Hier ist die Person noch relativ unschlüssig ob es notwendig ist das Verhalten zu verändern. Zu viele Argumente sprechen noch dafür Status quo beizubehalten. Hierbei macht es keinen Sinn bereits mit Übungen oder Tipps für den Alltag zu kommen da die Person erst sowieso in eine Abwehrhaltung gehen wird.

  • Contemplationsphase

Hier ist der Patient noch ambivalent ob er etwas ändern soll oder nicht. Die Person weiß dass es wichtig ist sich zu verändern doch er/sie sieht noch viele Hürden die es zu überwinden gilt. Hier kann man versuchen durch gute Gesprächsführung wie zum Beispiel mit MI die Person durch die Ambivalenz zu führen indem man die Nachteile von Status quo und die Vorteile einer Änderung klar aufzeigt.

  • Determinierungsphase

Hier ist die Person bereit kleine Schritte zu gehen und erste kleine Handlungen zu unternehmen um sein/ihr Verhalten zu ändern. Erst in der Phase kann man zusammen mit dem/der Patienten/in Ziele und Maßnahmen erstellen.

  • Aktionsphase

Hier werden die besprochenen Ziele und Maßnahmen erstmal in die Tat umgesetzt. Hier ist es wichtig die Person zu begleiten und über Erfolg und Misserfolg zu reflektieren

  • Aufrechterhaltung oder Rückfall

Hierbei kommt es darauf an ob die Person die Maßnahmen weiterhin fortführt und diese in den Alltag integriert oder rückfällig wird.


Als Therapeut/in ist es wichtig zu erkennen in welcher Phase der/die Patient/in sich erstmal befindet bevor wir mit unseren gut gemeinten Tipps kommen.


Quellen der Motivation


Anschließend ist es wichtig zu wissen welche Motivationsquelle existieren und welche der Patient hat bzw. welche wir mit unserer Kommunikation fördern wollen.


Hierbei ist es wichtig durch die Gesprächsführung intrinsische Motivation zu fördern d.h. dass die Person von sich aus mit Gründen kommt das Verhalten zu ändern.


Bedürfnisse der Patienten


Es gibt auch kein detailliertes Rezept welches garantiert, dass Personen automatisch motiviert werden. Die Zutaten sind jedoch bekannt und es liegt am Therapeuten diese in einem angemessener Art und Weise einzusetzen.

Hierbei will ich konkret auf das ABC des Coachings raus.


Motivierende Gesprächsführung (MI)

In der MI werden verschiedene Phasen beschrieben wo versucht wird die Person durch diese zu begleiten welche hier in der Abbildung dargestellt werden.

- Engaging: Aufbauen eine guten Patienten-Therapeuten Beziehung.

- Focusing: Identifizieren des Hauptproblem in dem die Person ambivalent einer Verhaltensänderung gegenüber steht oder Probleme hat eine Veränderung vorzunehmen.

- Evoking: Lenken der Person auf persönliche Gründe sich zu verändern und versuchen die intrinsische Motivation weiterhin zu fördern hinsichtlich der Verhaltensänderung.

- Planning: Hierbei geht es darum Ziele und Maßnahmen zu definieren und sich dieses auch zu verpflichten.


Engaging und Focusing

Benutze OARS: Offene Fragen, Affirmationen, Reflektieren, Summarize (Zussamenfassen)

- Offene Fragen: Offene Fragen vereinfacht den Dialog und gibt dir mehr Informationen von der Person.

Beispiele: Was bringt Sie hierher?, Weswegen sind Sie hier?, Warum denken Sie Sie sollten etwas ändern?

- Affirmationen: Erkenne die Schwierigkeiten und Hindernisse als auch sonstige Erfahrungen, Perspektiven und Gefühle deines Patienten/in an.

Beispiele: Sie zeigen mir wirklich, dass sie etwas ändern wollen. Trotz der negativen Ereignisse der vergangenen Wochen sind Sie heute hierher zurückgekehrt was mir zeigt, dass Sie motiviert sind sich zu verändern.

Reflektieren: Hierbei geht es darum die Person zu verstehen und Hypothesen zu testen. Was denkst du was die Person damit gemeint hat.

Beispiele: Es hört sich so an als..., Es scheint so als..., Was ich da raus höre ist..., Ich denke sie meinen damit, dass....

Summarize (Zusammenfassen): Fasse die wichtigsten Punkte nochmal zusammen. Hier zeigst du zum einen, dass du aktiv zugehört hast, zum andern verhindert es mögliche Missverständnisse und die Ambivalenz der Person kann nochmal deutlicher gemacht werden.

Beispiele: Auf der einen Seite meinen Sie, dass ..., auf der anderen Seite meinten Sie, dass... Dies klingt danach, dass es keine einfache Entscheidung ist, Um alles nochmal zusammenzufassen... .


Evoking


Beim Evoking geht es darum den Patienten durch die Ambivalenz zu führen. Hierbei geht es darum dass am Ende die Gründe sich zu verändern überwiegen sollen als die Gründe den Status quo weiterzuführen. Hierbei wird versucht die Kosten von Status quo und Vorteile einer Veränderung aufzuzeigen.

Wenn Patienten/innen sich nicht sicher sind ob sie sich verändern sollen benutzten sie noch oft "Sustain Talk" wie zum Beispiel "Ach so schlimm ist es doch gar nicht, und wird schon gut gehen". In dieser Phase versuchen wir durch verschiedene Techniken dem/der Patienten/in "Change Talk" zu entlocken.

- Nachteile von Status quo aufzeigen:

"Was beunruhigt Sie am meisten an der aktuellen Situation?"

"Was denken Sie würde passieren wenn sich nichts ändern würde?"

- Vorteile der Veränderung:

"Wenn Sie einen Zauberstab hätten, wie würden Sie die aktuelle Situation verändern wollen"

"Was sind die Gründe sich zu verändern ihrer Meinung nach?"

"Wie würde Ihr Leben nächstes Jahr aussehen wenn Sie jetzt etwas dafür tun?"

- Optimismus für Veränderung entwickeln:

"Was bestätigt Sie in dem Glauben, dass Sie sich verändern können wenn Sie das möchten?"

"Was denken Sie würde für Sie funktionieren, wenn Sie sich ändern müssten"

- "The importance ruler"

  1. Teil: Auf einer Skala von 0-10 wie motiviert sind Sie Ihren Lebensstil zu verändern

  2. Teil: Nehmen wir an die Nummer war 6/10 dann frage die Person warum es eine 6 war und keine 4. Hier entlockst du Change Talk indem die Person die Kosten von Status quo und Vorteile der Veränderung aufzeigen muss

  3. Teil: Als nächstes machst du genau das Gegenteil und fragst: Was müsste passieren, dass es eine 7 oder 8/10 wird.

- Die Extreme abfragen

"Was ist das schlimmste was passieren könnte wenn Sie sich nicht ändern"

" Was ist das beste was passieren könnten wenn Sie sich ändern"



Planning


Hat die Person vor dir nicht nur Intention sich zu verändern sondern hat sie auch wirklich vor diese in die Tat umzusetzen. Commitement Talk wäre beispielsweise: I verspreche, dass, I werde..., I weiß; dass ich das folgendes tuen werde,...

Nachdem die Person nun etwas tun möchte also in der Determinationsphase ist, ist es wichtig nun einen Plan zu erstellen. Hierbei ist es wichtig auch hier mehr ein Guide zu sein als ein Direktor der den Plan vorgibt.