Infantile Zerebralparesen (ICP)

Aktualisiert: vor einem Tag

Dieser Gastbeitrag ist von Denis :)

Definition:

• bleibende, nicht unveränderliche Störungen der Haltung und Beweglichkeit

• Folge einer nicht fortschreitenden Erkrankung des sich entwickelnden Gehirns

Ätiologie:

• intrauterine Infektionen

• Sauerstoffmangel

• Hirnblutung

• Trauma

Epidemiologie:

• 3-4 / 1.000 Neugeborenen

• 80 / 1.000 Frühgeborenen

Symptome:

• Veränderung des Muskeltonus → meist Spastik

→ selten Rigor, Dystonie oder Ataxie

Formen:

• spastische Zerebralparese (90%)

o bilateral spastische Zerebralparese

- Hüften, Knie und Sprunggelenke in Extension

- Arme in Adduktion, Flexion und gefausteten Händen

- gesteigerte Muskeleigenreflexe

- positives Babinsky Zeichen

- geistige Behinderung

- Epilepsie

- Pseudobulbärparalyse (Sprach- und Schluckstörung)

o unilaterale spastische Parese

- einseitige Spastik

- meist deutlich milderer Verlauf der möglichen Begleiterkrankungen

• dyskinetische Zerebralparese (6%)

- wechselnder Muskeltonus

- unwillkürliche Hyperkinesien mit Dystonie oder Choreoathetose

- schwer ausgeprägte Bewegungsstörung

- erhebliche Behinderung

• ataktische Zerebralparese (4%)

- muskulärer Hypotonus

- Stand- und Gangataxie

- Tremor

- Dysmetrie

- häufig in Kombination mit geistiger Behinderung

Komplikationen:

• Verkürzungen / Kontrakturen

• Deformierungen

• Hüftluxation

• Spitzfußstellung durch Verkürzung der Achillessehne

• Skoliose

• fokale / generalisierte Anfälle

• Wahrnehmungsstörungen / begrenzte kognitive Fähigkeiten

Diagnostik:

• Anamnese

• klinische Untersuchung

• MRT

• Liquoruntersuchung

• Blut- und Urinanalysen

Differenzialdiagnostik:

• progrediente Erkrankungen des ZNS

o Stoffwechselstörungen

o heredodegenerative Erkrankungen

o Tumoren

• Erkrankungen des Rückenmarks

• Erkrankungen peripherer Nerven

Therapie:

• Arzt

o Schienen, Gipsverbände oder Korsett zur Vermeidung von Kontrakturen und Deformitäten

o Umstellungosteotomie bei Luxationen

o Achillotenotomie bei verkürzten Sehen / zur Skoliosekorrektur

o Brille / Hörgerät

o Medikamente gegen Spastik, Dyskinesie und zur Tonusregulation der Muskulatur

• Physiotherapeut

o Bobath

o Vojta

o Einbeziehung der Eltern zur Durchführung des Heimprogramms

Prognose:

• Beeinträchtigung bleibt trotz Frühbehandlung und intensiven Maßnahmen bestehen

Prophylaxe:

• Risikovermeidung von ZNS Läsionen

• Früherkennung und Frühbehandlung


PT-Befund:

• GMFCS I

o Gehen ohne Einschränkungen

o Einschränkungen der höheren motorischen Fähigkeiten

• GMFCS II

o freies Gehen ohne Hilfsmittel

o Einschränkungen bei der Fortbewegung außerhalb der eigenen Häuslichkeit

• GMFCS III

o Gehen mit Hilfsmittel

o Einschränkung beim Gehen außerhalb der Wohnung und auf der Straße

• GMFCS IV

o Einschränkung der selbstständigen Fortbewegung

o Kinder werden mit einem Rollstuhl geschoben / Nutzung eines elektrischen Rollstuhls

• GMFCS V

o Fortbewegung auch mit elektrischen Hilfsmitteln eingeschränkt

PT-Behandlung:

• Förderung der individuellen Selbstständigkeit

o Vertikalisierung

o Erarbeiten einer physiologischen Haltung und Bewegung

o Lagerung zur Orientierung und Unterstützung

• Erreichen einer sicheren Fortbewegung

o Training des freien Gehens

o Training der Fortbewegung mit Hilfsmitteln

• Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens

o geeignete Räumlichkeit

o optimaler zeitlicher Ablauf

o persönlicher Umgang

o Therapie von Begleitsymptomen

• Verbesserung der Atmung

o Atemvertiefung (bspw. spielerisch gestaltete Lippenbremse)

o Förderung der Atemrichtung durch die Nase

In die Behandlung sollten zudem alle Analysatoren des Kindes eingebaut werden:

• optischer Analysator

• kinästhetischer Analysator

• taktiler Analysator

• akustischer Analysator

• statico-dynamischer Analysator


Quelle: