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Hydrotherapie (Theoretische Grundlagen & Begriffe)

Hydrotherapie ist die Anwendung von Wasser in seinen verschiedenen Aggregatzuständen und Temperaturen, um Krankheiten vorzubeugen, zu behandeln und danach zu rehabilitieren.


Balneotherapie ist Teil der Hydrotherapie und bedeutet die Behandlung in therapeutischen Bädern, am Meer und in Kurorten, insbesondere unter Verwendung von heilenden Wässern, gesundheitsfördernden Klimafaktoren und Peloiden (therapeutischem Lehm und Schlamm).

Die Wirkprinzipien des Wassers

Die Hydrotherapie nutzt die unterschiedlichen Wirkungen, die Wasser auf den menschlichen Körper hat, und seine physikalischen Eigenschaften. Diese sind:

  • Temperatur

  • hydrostatischer Druck

  • Auftrieb

  • Reibungswiderstand - und auch:

  • mechanische und chemische Faktoren wie die Verwendung von Bürsten und Wasserstrahlen oder das Hinzufügen ätherischer Öle oder Salze.

1. Temperatur

Die Wahrnehmung der Temperaturen hängt von der Temperatur selbst ab, von Temperaturänderungen, der Menge an freiliegender Haut und der Hauttemperatur. Für verschiedene Substanzen gibt es eine unterschiedliche Indifferenztemperatur (= eine Temperatur, die weder als warm noch als kalt empfunden wird). Die Indifferenztemperatur für Wasser liegt normalerweise zwischen 33 und 35 ° C, für Luft bei ca. 22 °C und für Moor / Fango 38 °C. Dies hängt von der Wärmespeicherfähigkeit und der Wärmeleitfähigkeit des Stoffes ab.

Für Wasser bedeutet das: 15-25 °C gelten als kalt (alles niedriger: sehr kalt), 33-35°C, 35-37°C warm und 39-45°C heiß.

2. Hydrostatischer Druck

Der hydrostatische Druck ist der Druck, den Wasser auf alles, was sich darin befindet, ausübt. Mit jedem Meter, den man sinkt, steigt der Wert um 0,1 bar.

Seine Auswirkungen auf den Organismus sind:

  • Erhöhung des lymphatischen und venösen Rückstroms (dies bedeutet auch, dass mehr Blut in Rumpf- und Herzbereich fließt. Bei Herz-Kreislauf-Patienten kann das problematisch werden. Diese Patienten sollten nicht vollständig ins Wasser gehen, sondern nur soweit, dass der Wasserspiegel Hüfthöhe erreicht. Diese Patienten können allerdings andere hydrotherapeutische Maßnahmen verwenden: Bei gesunden Leuten steigt das Herzschlagvolumen einfach und passt sich an den angestiegenen Druck an.

  • in Kombination mit den anderen Wirkungen des Wassers erweitern sich die Gefäße, was die Gefahr erhöht, dass der Patient beim Verlassen des Wassers kollabiert. Das liegt daran, dass der Blutdruck abnimmt und sich ein Großteil des Blutes in den Gefäßen des Rumpfs sammelt. Steigt der Patient dann aus dem Wasser, sinkt das Blut mit der Schwerkraft ab und weil der Blutdruck "zu gering" ist, wird das Gehirn usw nicht ausreichend versorgt. Deshalb sollten Patienten langsam aufstehen und dem Körper Zeit zur Anpassung geben. Man kann Patienten auch isometrisch anspannen lassen um die Gefäße "mechanisch" wieder enger zu stellen, bevor sie das Wasser verlassen.


3. Auftrieb

Das archimedische Prinzip: Beim Eintauchen in eine Flüssigkeit "verliert" jedes Objekt / jeder Körper so viel Gewicht, wie Flüssigkeit dadurch verdrängt wird. Dies ist für einige physiotherapeutische Techniken äußerst vorteilhaft, insbesondere bei adipösen Patienten oder Patienten mit chronisch degenerativen Gelenkerkrankungen, da sie sich bewegen und von Bewegung profitieren können, ohne die bereits betroffenen Strukturen voll zu belasten.

4. Reibungsbeständigkeit

Reibungswiderstand ist die Kraft, die Wasser auf sich bewegende Objekte ausübt. Dieser Widerstand hängt von der Geschwindigkeit und der Oberfläche (Größe) des sich bewegenden Objekts ab. Dies ist besonders nützlich, um Kraft/Kraftausdauer und die Koordination zu verbessern.

5. Mechanische und chemische Faktoren

Wasserstrahlen, Bürsten und Abklatschungen sind - neben anderen - mechanische Maßnahmen für die Hydrotherapie in Kombination mit anderen Geräten. Der mechanische Reiz überdeckt jedoch den thermischen Impuls, was bedeutet, dass es besser ist, bei niedrigeren Temperaturen zu arbeiten. Wenn man beispielsweise Wasserstrahlen verwendet, kann es sein dass der Patient nicht zwischen warmen und heißen Temperaturen unterscheiden kann und es zu Verbrennungen kommt.

Solche Techniken sollten i.d.R. nicht bei Patienten mit Gefäßveränderungen, Varizen, Blutungsstörungen (zB durch Blutverdünner), oberflächlichen Entzündungen/offenen Wunden oder frischen Narben angewendet werden.

Reaktionstypen

Es gibt zwei verschiedene Arten von Menschen, wenn es darum geht, wie sie auf warme und kalte Reize reagieren. Einer ist der wärmeempfindliche Typ und der andere sehnt sich nach mehr Wärme (wärmebedürftig). Wir nennen sie hier mal Typ 1 und Typ 2 (und nur hier).


Typ 1 hat immer eine gute Durchblutung (und hat tendenziell hohen Blutdruck und einen höheren BMI). Mit erröteten Wangen und warmen Gliedmaßen. Solchen Patienten ist normalerweise warm und sie sind die ersten, die Räume oder Kleidung zu warm finden. Sie reagieren gut und stark auf hydrotherapeutische Behandlungen.

Typ 2 friert eigentlich ständig und ist tendenziell blasser. Ihre Hände und Füße sind oft kalt und Menschen des Typs 2 bevorzugen normalerweise wärmere Kleidung. Sie reagieren langsam und nicht so gut auf Hydrotherapie. Ihr Blutdruck ist meistens niedrig und das vegetative Nervensystem ist weniger stabil, was öfter mal zu Schwindel und ähnlichen Symptomen führt.

Stimulusintensität

Die Intensität des hydrotherapeutischen Stimulus hängt von drei Faktoren ab: der angewendeten Temperatur, der Dauer der Anwendung und dem behandelten Bereich.

... to be continued :)


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