Examensbericht aus Hamburg

Ich habe mein Examen in Hamburg am IPW – Institut für praxisorientierte Weiterbildung – absolviert. Ich studiere Dual, die ersten drei Jahre lief es so, dass wir einmal im Monat am Wochenende Uni hatten, jetzt nach dem Examen haben wir 3 Tage in der Woche Uni und an den anderen beiden Tagen arbeite ich als Physiotherapeutin in einer Praxis.


Ablauf des Examens:

Meine Prüfungen dauerten insgesamt sechs Wochen (19.07.-27.08.), dabei wurde immer darauf geachtet, dass wir niemals mehr als drei Prüfungen in einer Woche hatten.

  • An den ersten beiden Tagen standen die schriftlichen Prüfungen an, dabei wurden Fächergruppe 1 und 3 am Montag und Fächergruppe 2 und 4 am Dienstag geprüft. In der gleichen Woche am Freitag stand noch Hydrotherapie an.

  • Meine zweite Prüfungswoche verlief relativ entspannt, ich hatte nur die Techniken Prüfung am Mittwoch.

  • Die dritte Examenswoche bestand für mich aus der mündlichen SKL Prüfung und Elektrotherapie + Massage Prüfung.

  • In meiner vierten Examenswoche stand für mich Physiologie auf dem Plan.

  • Die fünfte Woche war relativ tough, am Montag wurde BEZ geprüft, am Mittwoch hatte ich meine erste Patientenprüfung in Gynäkologie und am Freitag die zweite Patienten Prüfung in Orthopädie.

  • Die sechste Woche endete für mich schon am Dienstag mit der Anatomie Prüfung. Zwei Tage später bekam ich mein Ergebnis – ich habe bestanden und am Freitag hatten wir unsere Entlassung. Am Sonntag ging es direkt mit ein paar Leuten aus meiner Klasse für eine Woche in den Urlaub, ein sehr gelungener Abschluss.


Schriftlich:

Aber nun zu den Prüfungen. Insgesamt waren es vier Klausuren. Die Klausur der Fächergruppe 1 dauert 45 Min. und besteht aus Berufskunde, Staats- und Gesetzeskunde und Soziologie. Fächergruppe 2 dauert 90 Min. und besteht aus Biomechanik, Bewegungslehre und Trainingslehre. Fächergruppe 3 dauert 180 Min. und besteht aus allen PT-Fächern und Präv/Reha. Fächergruppe 4 dauert 90 Min und besteht aus allen SKL Fächern. Bei uns erstellen ausschließlich die Dozent*innen die Fragen, diese bestehen hauptsächlich aus offenen Fragen und zu ca. 30% aus MC.


Praktisch:

Die Hydrotherapie Prüfung dauert 15 Min, man zieht eine Karte überlegt einige Sekunden und legt los. Die Techniken Prüfung dauert bei uns 45 Min., die noch einmal in 3x15 Min unterteilt sind, zunächst zieht man eine Karte zum Thema Grifftechniken, dann zieht man eine Karte aus einer Reihe in der Fragen zum Thema Atemtherapie oder Manuelle Therapie liegen, der dritte Themenbereich besteht aus PNF oder Bobath. Zu dem praktischen Teil kommt jeweils noch eine theoretische Frage und natürlich Zwischenfragen der Dozenten. Meine Prüfung bestand aus Grifftechniken, Atemtherapie und Bobath.

Die Elektrotherapie und Massage Prüfung verläuft ähnlich, sie dauert 30 Min, also jeweils 15 Min. pro Teilprüfung. Wieder pro Karte eine praktische und eine theoretische Frage.

Die BEZ Prüfung dauert ebenfalls 30 Min, man betritt den Raum zieht eine von ca. 30 Krankheitsbildern und sollte sofort beginnen, denn die Prüfungszeit beginnt sobald man den Raum betreten hat.


Patient*innen Prüfungen:

Die beiden Patienten Prüfungen (bei mir Gyn und Ortho) dauern jeweils 70 Min, dabei hat man 20-25 Min Zeit für den Befund, 20 Min Überlegungszeit und Zeit für die Hypothesen- und Zielformulierung und wieder 20-25 Min. für die Behandlung. Die restliche Zeit (ca.10 Min.) wird für Feedback genutzt, wobei die Dozent*innen natürlich nicht durchblicken lassen, ob man bestanden hat oder nicht. Vorausgesetzt

man hat keine absolute Kontraindikation am Patienten durchgeführt, denn dann ist man direkt durchgefallen und das weiß man dann auch schon, denn die Dozent*innen greifen in so einem Fall ein.

Beide meiner Patienten Prüfungen verliefen rückblickend entspannt. Die Gynäkologie Prüfung hatte ich in einem Krankenhaus, welches ich nicht kannte. Ich habe mir dann Tipps von Mitschülern, die dieses kannten, eingeholt und war dann zuversichtlich. Meine Patientin hatte die Diagnose Ovarial-Ca, man hatte im Zuge dessen eine explorative Laparotomie durchgeführt (2. Tag post OP). Die Patientin war super entspannt und hat sich richtig gefreut Teil einer Prüfung zu sein.

Meine Orthopädie Prüfung fand in einer Praxis statt, in der ich auch einen Teil meiner Praktikumszeit verbrachte. Als ich im Wartebereich saß kam ein junger Mann rein, ungefähr mein Alter, und ich dachte nur „oh Gott, bitte nicht der“, denn dieser Mann hatte sich so ein grausiges Gangbild angeeignet und das wollte ich wirklich nicht in meiner Prüfung haben. Ein paar Minuten später stellte sich allerdings heraus, dass das mein Patient sein wird. Am Ende lief es natürlich trotzdem ganz gut, der Patient hatte eine VKB Ruptur. Im Rebefund war sein Gangbild deutlich verbessert, ob er es danach weiter umgesetzt hat, kann man für ihn nur hoffen.


Mündlich:

Die mündlichen Prüfungen verlaufen an unserer Schule sehr entspannt. Die SKL Prüfung dauert 15 Min., zunächst zieht man eine Karte zusammen mit einem Mitschüler, ob es in Raum A oder B geht. Raum A bedeutet SKL Chirurgie, Neuro oder Innere, Raum B bedeutet SKL Pädiatrie, Orthopädie, Gynäkologie, Psychatrie. Ist der Raum für den Schüler ausgewählt, zieht man eine Karte und beantwortet Fragen zu nur einem Fachbereich. Die Anatomie Prüfung ist mit 20 Min. eingeplant, geprüft werden Ana Viscerale, Neuro, Bewegungsapparat, Grundlagen und Anatomie funktionelle. Auf einer Karte werden dann immer drei dieser Themenbereich abgefragt, Anatomie Bewegungsapparat ist allerdings auf jeder Karte vorhanden. Bezüglich der Zeitplanung dieser Anatomie Prüfung sollte man ca. 5 Minuten pro Thema einplanen, die letzten 5 Min. der 20 Min. nutzen die Dozent*innen für Frage- oder Hilfestellungen. Die Physiologie Prüfung dauert 15 Min., auch hier zieht man eine Karte, auf der zwei Themengebiete abgefragt werden. Die Themengebiete waren das Hormonsystem, respiratorische System, Blut, Gefäße, Blutdruck, Herz, Muskelphysiologie, Sinnesphysiologie, Urogenitalsystem, Verdauungssystem, Neurophysiologie und Transportprozesse. Die Zeitplanung kann ich in allen Prüfungen nur als angemessen bezeichnen, die Zeit war bei mir in jedem Fall ausreichend und da spreche ich auch für meine Mitschüler.


& wenn man durchfällt?

Sollte man in einer der genannten Prüfungen durchfallen, gibt es je nach Prüfung verschiedene Vorgehensweisen. Fällt man z.B. in einer Patienten Prüfung durch muss man das jeweilige Praktikum wiederholen und im Anschluss die Patienten Prüfung erneut ablegen. Sollte man in einer Klausur durchfallen wird meistens bis zur nächsten Zwischenprüfung gewartet und dort wiederholt man dann die Examensklausur. Fällt man in den praktischen oder mündlichen Prüfungen durch wird je nach Anzahl der durchgefallenen Fächer entschieden, ob ein Schüler noch einmal in den Unterricht sollte und wenn ja, wie lang. Im Anschluss wird dann die Prüfung wiederholt, das kann auch mal 6 Monate dauern. Fällt man in vielen Bereichen durch wird einem nahegelegt das Jahr zu wiederholen.


Meine Vorbereitung:

Nun zurück zu der Zeit vor den Prüfungen. Das große Thema Lernen. Für die mündlichen Fächer hatte ich mir eigentlich vorgenommen schon im November 2020 anfangen zu lernen. Daraus ist natürlich nichts geworden. Wir haben 40 Stunden in

der Woche im Praktikum endgeldlos gearbeitet und am Abend mussten die Befunde geschrieben werden oder es wurde auch mal ein wenig Freizeit genossen. So richtig mit dem Lernen habe ich also erst im Mai, als die Schule nach 10 Monaten Praktikum wieder anfing. Die mündlichen und schriftlichen Themen habe ich größtenteils alleine gelernt, natürlich haben wir Lernzettel untereinander ausgetauscht, aber lernen kann ich sowas am besten alleine.

Die praktischen Themen haben wir immer in kleinen Lerngruppen wiederholt und dann noch einmal sehr intensiv 1-2 Tage unmittelbar vor der jeweiligen Prüfung. Auf die Patienten Prüfungen habe ich mich am wenigsten intensiv vorbereitet, weil ich am Ende auch nicht wusste, was genau ich da lernen sollte. Es kann ja schließlich alles drankommen und durchs Praktikum habe ich mich, besonders in Ortho, sehr gut vorbereitet gefühlt. Zu Gyn habe ich mir gesagt, dass dort nichts Überraschendes kommen kann, das klingt wahrscheinlich naiv, aber am Ende hat das vollkommen ausgereicht und meine Patientin hatte die Diagnose, mit der ich gerechnet habe.


Geschafft! 🍾🎉

Das Examen ist geschafft und ich kann wirklich nur sagen, dass die gesamte Woche nach der Ergebnisverkündung nur merkwürdig war. Ich konnte mich gar nicht wirklich freuen, denn da war auf einem so eine Leere. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag nur geschlafen und ich habe mich tagelang so gefühlt, als würde ich krank werden. ich konnte mich zu rein gar nichts motivieren. Am Sonntag nach unserem Examen bin ich mit 6 Mitschülern in den Urlaub gefahren und auch hier bestanden die ersten beiden Tage in Dänemark nur aus Schlafen und Essen. Danach ging es bergauf für uns alle und auch für mich. Ich hatte einen Termin für ein Vorstellungsgespräch, sobald ich wieder zu Hause war und der Urlaub war wirklich der beste, den ich seit langem hatte. Wir haben viel gefeiert und viel entspannt.


Also an alle die ihr Examen noch vor sich haben: Ihr werdet euch danach merkwürdig und vielleicht auch nicht richtig angekommen fühlen, aber das legt sich nach ein paar Tagen. Das Stresslevel in der Examenszeit ist mit nichts zu vergleichen, zumindest in meinem Leben bisher. Aber jetzt sind wir Physiotherapeut*innen! Wir können alle sehr stolz auf uns sein.

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