Beinamputationen

Aktualisiert: März 15

Definition:

  • Abtrennung eines Körperteils aufgrund einer Operation oder eines Traumas

→ Kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ist immer die Folge einer vorangegangener Erkrankung oder eines Traumas

→ Angeborene Fehlbildungen haben mit Amputationen vieles gemeinsam, zählen jedoch nicht zu diesen.


Ursachen:

  • Durchblutungsstörungen (häufig bei Diabetes)

  • Trauma

  • Infektionen

  • Tumore

  • Angeborene Fehlbildungen

  • verschiedenes

Häufig führt eine Kombination aus mehreren Ursachen zu einer Amputation

Häufigkeit:

Es gibt kein einheitliches Amputationsregister in Deutschland. Grob geschätzt wird jährlich von 40.000 – 50.000 Amputationen ausgegangen (Greitemann 2002)

Amputationshöhen:

  1. Vor- und Mittelfuß

  2. Rückfuß

  3. Unterschenkel (Transtibial)

  4. Knieexartikulation

  5. Oberschenkel (Transfemoral)

  6. Hüftexartikulation

  7. Hemipelvektomie


Ärztliche Ausbildung:

Amputationschirurgie ist ein fester Bestandteil der chirurgischen Ausbildung. Jedoch gibt es nur wenige Ärzte mit ausreichenden Grundkenntnissen in der Prothesentechnik, die notwendig sind um einen prothetisch gut versorgbaren Stumpf zu bilden. In manchen Fällen ist eine spätere Stumpfrekonstruktion möglich, die jedoch mit erheblichen Belastungen seitens des Patienten einhergeht.

Mobilitätsgrade:

Zur Einschätzung des Patienten in Hinblick auf seine aktuelle und ggf. potenzielle Mobilität, werden die Betroffenen in unterschiedlichen Mobilitätsgraden unterteilt. Dies ist notwendig um die geeignete Prothese passend zu dem jeweiligen Aktivitätsniveau zu bestimmen.

Mobilitätsgrad 0: Dem Anwender ist es auch mit Unterstützung einer Hilfsperson nicht möglich sich mit der Prothese fortzubewegen oder diese zum Transfer zu nutzen. Mobilitätsgrad 1, Innenbereichsgeher: Dem Anwender ist es möglich oder er besitzt das Potenzial die Prothese für Transferzwecke zur Fortbewegung zu nutzen. Die Gehstrecke und Gehgeschwindigkeit sind dabei stark eingeschränkt. Mobilitätsgrad 2, Eingeschränkter Außenbereichsgeher: Dem Anwender ist es möglich oder er besitzt das Potenzial mit der Prothese im Außenbereich eine begrenzte Gehstrecke mit begrenzter Geschwindigkeit zu bewältigen. Niedrige Umwelthindernisse wie Bordsteinkante, unebener Boden sowie Stufen können bewältigt werden. Mobilitätsgrad 3, Uneingeschränkter Außenbereichsgeher: Dem Anwender ist es möglich oder er besitzt das Potenzial sich mit Prothese in mittlerer, hoher und variierender Gehgeschwindigkeit fortzubewegen. Die meisten Hindernisse können bewältigt und berufliche, therapeutische und andere Aktivitäten können durchgeführt werden. Die Gehstrecke ist unwesentlich eingeschränkt im Vergleich zu einer Person ohne Amputation. Mobilitätsgrad 4, Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Anforderungen: Siehe 3. Zusätzlich sind Gehstrecke und Gehdauer nicht limitiert. Besondere Belastungen bei sportlicher Aktivität können uneingeschränkt bewältigt werden.


Physiotherapeutische Maßnahmen in der Akutphase:

  1. Lagerung des Stumpfes in Extension/Adduktion/ Innenrotation. - Stumpf sollte nicht in Flexion gelagert werden, da dies die Entstehung einer Kontraktur fördert und starke negative Auswirkungen auf die spätere prothetische Versorgung und auf das Gangbild hat.

  2. Wickeln des Stumpfes (Alternativ Kompressionsliner) - Verringert das Postoperative Ödem und reduziert das gesamte Stumpfvolumen - Das Wickeln sollte nur von geschulten Personen durchführt werden. Eine fehlerhafte Stumpfwicklung wirkt sich negativ auf die Stumpfform und auf die spätere prothetische Versorgung aus

  3. Atemtherapie (vor allem bei sehr immobilen Patienten)

  4. kreislaufstabilisierende Bewegungsübungen

  5. Erhalt der Beweglichkeit aller Gelenke und Rumpf

  6. Transfer an die Bettkante beüben

  7. Kräftigung der Glutealmuskulatur in Extension / Abduktion

  8. Kräftigung der Adduktoren

  9. Rumpfstabilisation, Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur

  10. Beckenmobilisation

  11. Dehnung der Hüftmuskulatur

  12. Gleichgewichtsübungen im Sitz

  13. Transfer Sitz-Stand, Hilfsmittel abbauen sofern schon möglich

  14. Gleichgewichtsübungen im Stand auf der erhaltenen Seite

  15. Handling mit Hilfsmitteln wie Rollstuhl, Gehwagen, Unterarmgehstützen o.ä.

  16. Physikalische Therapie / Massage u.a: - Massage des Stumpfes - Stumpfabhärtung - ggf. Narbenbehandlung - Lymphdrainage


Dieser Artikel wurde verfasst von: Stella Pocher (Instagram: https://www.instagram.com/stella_pocher/)

Sie bietet in Hamburg Geh- und Prothesentraining an.

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