• Lara

Behandlungsansätze bei einem akuten LWS Syndrom

Definition/ Ausgangssituation:

Wenn Patienten mit einem akutem LWS Syndrom kommen - "Ich hab mich irgendwie komisch bewegt/ Ich bin doof aufgestanden & jetzt kann ich mich gar nicht mehr bewegen" - sollte vor allem geklärt werden, ob ihr ihn überhaupt behandeln dürft.

Es gibt in Deutschland nämlich keinen First Contact, dh ihr dürft nur dann behandeln, wenn der Patient ein Rezept vom Arzt für genau die Symptomatik hat, die ihr behandelt!

Wenn Herr M. mit dem Zustand nach ACL Ruptur sich jetzt also verhebt und dann nicht aushaltbare Schmerzen im Rücken hat: Finger weg!

Anders ist das in anderen Ländern, wo Physiotherapie den First Contact hat. Da können Patienten direkt in die Praxis gehen.


Gehen wir nun davon aus, dass euer Patient beim Arzt war und anstatt einer Spritze zu bekommen, gleich einen Termin bei euch hat, wenige Stunden nach dem Vorfall.


Euer Patient wird lange brauchen - für alles: laufen, ausziehen, hinsetzen, umlagern.

In der Regel erwarten euch solche Patienten hoch-vegetativ! D.h. trockener Mund, schwitzige Hände (generell Schweißausbrüche), Angst.


Schmerz ist ein Warnsignal, dh. der Körper reagiert. Die Muskulatur wird reaktiv hyperton, was weitere Schmerzen verursachen kann. Die Körperregion, die den Schmerzimpuls zum Gehirn gesendet hat, wird "fest" gemacht. Und diese Spannung sollte man dann nicht auf Teufel komm raus wieder "lockern". Weichteiltechniken wie Flächige Streichungen können über das Gate Control Prinzip die Schmerzen lindern und beruhigen. Dasselbe gilt für Bewegung in dem Segment, zB eine einfache Beckenschaukel/ Beckenuhr. (Achtung: Gate Control funktioniert nicht bei chronischen Schmerzen).


Was wollen wir also erreichen? (PT Ziele & Maßnahmen)

- Sympathikus senken!

vertrauensvolle und beruhigende Aufklärung!

Gate Control: lokale Cryotherapie (Eislolly - an der Hand anfangen! Nicht direkt am Rücken), weiche Weichteiltechniken, zB flächige Streichungen

Schmerzfreie Bauchatmung: Betonung auf der Ausatmung

ablenkende "Mentale Bilder"

Entlastungslagerungen (zB Seitlage oder Stufenlagerung)

ET: analgesierende Ströme, zB Tens

Mikrobewegungen aus der MT, zB Traktion

Eigenübungen wie zB Beckenschaukel


Langfristig wird es wichtig sein über Grund- und Korsettspannung, Isometrie und vielleicht Entspannungstechniken wie PMR zu arbeiten.

Wenn der Körper merkt, dass muskuläre Stabilisation gegeben ist, ist der reaktive Hypertonus nicht mehr notwendig - dann muss man nicht jahrelang beim selben Patienten massieren.


Zusammenfassung:

  • Behandlung nur auf Rezept

  • Hauptziel v.a. Sympathikus senken

  • Das hier ist nur ein Behandlungsansatz für ganz akute Fälle, ansonsten ist die Befundaufnahme das, was der Behandlung voran geht und diese bestimmen sollte

  • Wenn "Red Flags" auftreten, die zB auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten, dann sofort zum Arzt schicken!

  • Generell keine groben Techniken, auch keine Manipulation oä. Falls der Patient dies überhaupt tolerieren sollte, müssten Safetytests und ein ausführlicher Befund vorangehen.

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